|
Im Jahr 1927 versammelte ein buddhistisches geistiges Oberhaupt in Sibirien
seine Schüler um sich, um ihnen zu verkünden, daß er bald
zu sterben gedenke. Dashi Dorjo Itigilow, der 12. Pandito Hambo Lama,
der damals 75 Jahre alt und bereits im Ruhestand war, gab den Anwesenden
die Anweisung, in dreißig Jahren "meinen Körper zu besuchen
und ihn sich anzuschauen". Dann kreuzte er die Beine zum Lotussitz,
begann zu meditieren, intonierte ein Totengebet und starb.
Nach etwa dreißig Jahren folgten Itigilows Anhänger seiner
Bitte und exhumierten seine sterblichen Überreste auf dem Friedhof.
Ihren Berichten zufolge soll sich Itigilows Körper unverändert
in der Lotusposition befunden haben, völlig intakt und nicht verwest
gewesen sein. Danach wurde er wieder beerdigt, doch diesmal anonym. "Damals
durfte man darüber nicht sprechen", erklärt Damba Ajuschejew,
der gegenwärtige und 25. Pandito Hambo Lama. "Ihn in den Tempel
zu bringen, war verboten, das war unmöglich. Also wurde er wieder
begraben."
Die Geschichte wäre damit abgeschlossen, hätte nicht kürzlich
der junge Lama Bimba Dorschijew den Entschluß gefaßt, das
Geheimnis Itigilows zu lüften. Er fand einen 88 Jahre alten Gläubigen,
dessen Schwiegervater bei der Sargöffnung dabeigewesen war und den
Körper gesehen hatte. Der alte Mann führte Lama Bimba zu dem
anonymen Grab Itigilows. Am 11. September 2002 wurde 75 Jahre nach Itigilows
Tod der Körper erneut aus der Erde gehoben. Doch nun wurde das Ereignis
von zwei Kriminaltechnikexperten und einem Fotographen dokumentiert, die
sich unter dem Dutzend Zeugen befanden. Als die Lamas den Sarg öffneten,
trugen sie Chirurgenmasken, was jedoch nicht nötig war, weil Itigilows
Körper noch immer völlig erhalten war.
Der gegenwärtige Hambo Lama ordnete an, Itigilow nach Iwolginsk zu
bringen, wo er unter Fanfaren, Glockengeläut und Gesängen empfangen
wurde. Man brachte ihn ins zweite Stockwerk eines der vier Tempel des
dortigen Klosters, wo er seither hinter schweren Vorhängen und verschlossenen
Türen "sitzt". Die 150 Klosterschüler halten im ersten
Stock rund um die Uhr unter Gebeten Wache. Zutritt haben allerdings nur
die Lamas.
"Das ist das größte Wunder meines Lebens", meint
Hambo Lama Ajuschejew, seit 1995 das geistige Oberhaupt des Klosters.
"Damit zeigt sich, daß es Dinge gibt, über die die Zeit
keine Macht hat."
Ein Reporter der New York Times, den Ajuschejew in den Tempel führte,
schrieb, daß Itigilows Körper "auf einem einfachen Tisch
sitzt, umgeben von Kerzen und mit Öl gefüllten Metallschalen.
Die Lamas haben seinen Körper in ein goldfarbenes Gewandt gehüllt,
auf seinem Schoß liegt eine blaue Schärpe.
Die Augen sind geschlossen, die Gesichtszüge nicht sehr ausgeprägt,
wenn auch Gesichtsform und Nase unbestreitbar Ähnlichkeiten mit dem
Foto von 1913 [von Itigilow] aufweisen. Die Hände lassen sich bewegen,
und die Fingernägel sind ordentlich geschnitten. Die Haut ist ledern,
aber weich, und das Haar auf dem Kopf ist noch immer kurz." "Viele
Leute sehen einfach nicht, was offensichtlich ist", meint Hambo Lama
Ajuschejew. "Viele wollen es, auch wenn sie es sehen, nicht verstehen."
(Quelle: New York Times, USA)
(Benjamin Cremes Meister bestätigt, daß Dashi Dorjo Itigilow
ein Eingeweihter dritten Grades war, der eine alte Wissenschaft zur Unverwesbarkeit
des Körpers studiert hatte. Diese Gabe wird manchmal dem Körper
eines Jüngers verliehen, wurde in diesem Falle aber selbstentwickelt.)
©
Share International
|