Körper eines russischen Lama unverweslich

aus: Share International, November 2002



Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von © Share International


Im Jahr 1927 versammelte ein buddhistisches geistiges Oberhaupt in Sibirien seine Schüler um sich, um ihnen zu verkünden, daß er bald zu sterben gedenke. Dashi Dorjo Itigilow, der 12. Pandito Hambo Lama, der damals 75 Jahre alt und bereits im Ruhestand war, gab den Anwesenden die Anweisung, in dreißig Jahren "meinen Körper zu besuchen und ihn sich anzuschauen". Dann kreuzte er die Beine zum Lotussitz, begann zu meditieren, intonierte ein Totengebet und starb.

Nach etwa dreißig Jahren folgten Itigilows Anhänger seiner Bitte und exhumierten seine sterblichen Überreste auf dem Friedhof. Ihren Berichten zufolge soll sich Itigilows Körper unverändert in der Lotusposition befunden haben, völlig intakt und nicht verwest gewesen sein. Danach wurde er wieder beerdigt, doch diesmal anonym. "Damals durfte man darüber nicht sprechen", erklärt Damba Ajuschejew, der gegenwärtige und 25. Pandito Hambo Lama. "Ihn in den Tempel zu bringen, war verboten, das war unmöglich. Also wurde er wieder begraben."

Die Geschichte wäre damit abgeschlossen, hätte nicht kürzlich der junge Lama Bimba Dorschijew den Entschluß gefaßt, das Geheimnis Itigilows zu lüften. Er fand einen 88 Jahre alten Gläubigen, dessen Schwiegervater bei der Sargöffnung dabeigewesen war und den Körper gesehen hatte. Der alte Mann führte Lama Bimba zu dem anonymen Grab Itigilows. Am 11. September 2002 wurde 75 Jahre nach Itigilows Tod der Körper erneut aus der Erde gehoben. Doch nun wurde das Ereignis von zwei Kriminaltechnikexperten und einem Fotographen dokumentiert, die sich unter dem Dutzend Zeugen befanden. Als die Lamas den Sarg öffneten, trugen sie Chirurgenmasken, was jedoch nicht nötig war, weil Itigilows Körper noch immer völlig erhalten war.

Der gegenwärtige Hambo Lama ordnete an, Itigilow nach Iwolginsk zu bringen, wo er unter Fanfaren, Glockengeläut und Gesängen empfangen wurde. Man brachte ihn ins zweite Stockwerk eines der vier Tempel des dortigen Klosters, wo er seither hinter schweren Vorhängen und verschlossenen Türen "sitzt". Die 150 Klosterschüler halten im ersten Stock rund um die Uhr unter Gebeten Wache. Zutritt haben allerdings nur die Lamas.

"Das ist das größte Wunder meines Lebens", meint Hambo Lama Ajuschejew, seit 1995 das geistige Oberhaupt des Klosters. "Damit zeigt sich, daß es Dinge gibt, über die die Zeit keine Macht hat."
Ein Reporter der New York Times, den Ajuschejew in den Tempel führte, schrieb, daß Itigilows Körper "auf einem einfachen Tisch sitzt, umgeben von Kerzen und mit Öl gefüllten Metallschalen. Die Lamas haben seinen Körper in ein goldfarbenes Gewandt gehüllt, auf seinem Schoß liegt eine blaue Schärpe.

Die Augen sind geschlossen, die Gesichtszüge nicht sehr ausgeprägt, wenn auch Gesichtsform und Nase unbestreitbar Ähnlichkeiten mit dem Foto von 1913 [von Itigilow] aufweisen. Die Hände lassen sich bewegen, und die Fingernägel sind ordentlich geschnitten. Die Haut ist ledern, aber weich, und das Haar auf dem Kopf ist noch immer kurz." "Viele Leute sehen einfach nicht, was offensichtlich ist", meint Hambo Lama Ajuschejew. "Viele wollen es, auch wenn sie es sehen, nicht verstehen."

(Quelle: New York Times, USA)

(Benjamin Cremes Meister bestätigt, daß Dashi Dorjo Itigilow ein Eingeweihter dritten Grades war, der eine alte Wissenschaft zur Unverwesbarkeit des Körpers studiert hatte. Diese Gabe wird manchmal dem Körper eines Jüngers verliehen, wurde in diesem Falle aber selbstentwickelt.)

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